Für Patienten und Angehörige: 10 Jahre Selbsthilfe in Österreich

Darmkrebs – kein Tabu-Thema mehr

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Erstellt am 23.07.2014 von Redaktion
von li: Andrea Ertl und Helga Thurnher – Gemeinsam für die gute Sache
© Ludwig Schedl

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Die Gesundheitskommunikations-Expertin Mag. Andrea Ertl berichtet im PERISKOP-Interview über „10 Jahre Selbsthilfe Darmkrebs“.

Die „Selbsthilfe Darmkrebs“ wurde im Herbst 2004 – als erste und bisher einzige österreichweite Selbsthilfegruppe für betroffene Patienten und Angehörige – gegründet. Die Initiatoren waren Dr. Martin Thurnher, Tierarzt und selbst Betroffener, sowie der bekannte Onkologe Prof. Dr. Heinz Ludwig. Seit dem Tod ihres Mannes wird die Selbsthilfegruppe von Helga Thurnher geleitet.

Im PERISKOP-Interview Mag. Andrea Ertl, Geschäftsführerin der „Care Company“, Agentur für Gesundheitskommunikation, die von Beginn an für die Öffentlichkeitsarbeit der „Selbsthilfe Darmkrebs“ verantwortlich zeichnet.

P: Die „Selbsthilfe Darmkrebs“ feiert heuer ihr 10-jähriges Jubiläum – bitte um einen kurzen Rückblick und ebensolchen Ausblick!

Ertl: Als wir vor zehn Jahren mit der Selbsthilfegruppe begonnen haben, war Darmkrebs ein absolutes Tabu-Thema, über das in der Öffentlichkeit so gut wie überhaupt nicht gesprochen wurde. Durch unsere umfassende Überzeugungs- und Informationsarbeit ist es uns gelungen, die Rahmenbedingungen und die persönliche Situation der Darmkrebs-Patienten in unserem Land entscheidend zu verbessern. Und durch unsere Aufklärungsarbeit, speziell auch die intensive Medienarbeit, haben wir ganz wesentlich dazu beigetragen, dass in Österreich immer mehr Menschen zur Koloskopie gehen. Die Häufigkeit der Erkrankung und die Darmspiegelung als einfache und schmerzlose Vorsorgeuntersuchung sind heute allgemein bekannt. Diese wichtigen Aufgaben wollen wir auch in Zukunft mit ganzer Kraft erfüllen.

P: Wie wird die „Selbsthilfe Darmkrebs“ von den betroffenen Patienten und Angehörigen akzeptiert?

Ertl: Alle unsere Serviceangebote werden von den Patienten und Angehörigen häufig und gerne genützt. Es sind dies Veranstaltungen verschiedenster Art zu den unterschiedlichsten Themen, in deren Rahmen man sich trifft, Expertenvorträge hört, Fragen stellen kann und Erfahrungen austauscht. Aber auch gemeinsame Erlebnisse – wie z.B. Ausflüge oder kulturelle Aktivitäten – sind bei den Mitgliedern sehr beliebt. Außerdem gibt es eine umfangreiche, seit kurzem völlig neu gestaltete Website, wöchentliche Experten-Telefon-Sprechstunden sowie das regelmäßig erscheinende Magazin „Forum Darmkrebs“. Unser erklärtes Ziel ist der mündige Patient, der seine therapeutischen Möglichkeiten, seine Rechte und Bedürfnisse kennt und wahrnimmt – und so proaktiv an der Verbesserung seiner Lebensqualität und an seinem Therapieerfolg mitwirkt!

P: Sie haben also kürzlich eine neue Website erstellt…

Ertl: Ja – das ist richtig. Wir haben – wie in allen anderen Lebensbereichen – auch für unser Aufgabengebiet festgestellt, dass Informationen im Internet immer stärker nachgefragt und genützt werden. Daher wurde es nötig, die Website entsprechend um- und auszubauen. Die wesentlichen Arbeiten sind nun abgeschlossen. Auch die Adresse der Homepage wurde – wiederkehrenden Anregungen von verschiedenen Seiten entsprechend – stärker auf die Selbsthilfegruppe fokussiert. Sie lautet ab sofort: www.selbsthilfe-darmkrebs.at. Im nächsten Schritt planen wir noch die Einrichtung eines Web-Forums für Informationsaustausch mit Experten sowie Erfahrungsaustausch der Betroffenen untereinander – denn in einer solchen Plattform sehen wir den wichtigsten Kommunikationsweg der Zukunft.

P: Frau Mag. Ertl – Sie betreuen mit Ihrem Team die „Selbsthilfe Darmkrebs“ seit ihrer Gründung vor zehn Jahren – worin sehen Sie den besonderen Vorteil professioneller Öffentlichkeitsarbeit für eine Selbsthilfegruppe?

Ertl: Wir unterstützen die „Selbsthilfe Darmkrebs“ und ihre Obfrau Helga Thurnher in allen Fragen der Konzeption, Organisation und Umsetzung von PR-Maßnahmen. Gerade bei einer Selbsthilfegruppe ist es von ganz wesentlicher Bedeutung, wie sie sich in der Öffentlichkeit präsentiert, wie sie ihren Zielgruppen aber auch den Sponsoren gegenübertritt. Professionalität bedeutet hier zugleich auch Seriosität und Vertrauen, mehr Durchschlagskraft und einen größeren Aktionsradius – alles Vorteile, die unmittelbar den Betroffenen nützen, die bei uns Rat und Hilfe suchen.