Ergänzende Maßnahmen

Krebs – und was nun?

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Erstellt am 07.02.2014 von Redaktion
Yoga

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Diagnose, Therapie und Begleiterkrankungen stellen hohe Anforderungen an Körper und Seele. Hier einige Impulse zur Lebensgestaltung.

Nach dem anfänglichen Schock über die festgestellte Krebserkrankung findet sich der Betroffene mit zahlreichen Fragen konfrontiert. Viele davon kreisen um die Möglichkeiten, die Erkrankung effizienter zu behandeln, eventuelle körperliche und emotionale Beschwerden zu lindern und insgesamt die Lebensqualität und Lebenszufriedenheit zu verbessern.

Daher lautet eine der häufigsten aufkommenden Fragen: Was kann ich zusätzlich – zur medizinischen Betreuung – tun, um meine Erkrankung zu überwinden und meine Befindlichkeit zu verbessern?“

Alternativmedizin

In Österreich können wir davon ausgehen, dass die medizinische Betreuung internationalen Standards entspricht. Sollten Sie sich vergewissern wollen, dass dies auch auf Ihren persönlichen Fall zutrifft, so können Sie eine Zweitmeinung von einem anderen Zentrum oder Spezialisten einholen und sich darüber hinaus in entsprechenden Selbsthilfegruppen umfangreich informieren.

Trotzdem taucht naturgemäß die Frage nach Alternativen zur naturwissenschaftlichen Medizin auf. Hier gibt es – schlicht gesagt – eine ganz klare Antwort: Alternativmedizin ist für Krebspatienten keine Alternative!

Wieso sich dies so salopp behaupten lässt? Weltweit arbeiten täglich tausende Forscher an der Entwicklung neuer Behandlungsmaßnahmen. Tatsächlich sind auch beachtliche Fortschritte gelungen, aber viele Ideen und Entwicklungen mussten gleichzeitig zu Grabe getragen werden, weil die Hoffnungen den Härtetest von sorgfältig geplanten und durchgeführten klinischen Studien nicht bestehen konnten.

So genannte Alternativpräparate sind derartigen wissenschaftlichen Tests nie unterzogen worden oder konnten in den wenigen Fällen, wo dies der Fall war, die Erwartungen nicht erfüllen. Hätten sie eine solche Testphase erfolgreich durchlaufen und eine deutliche Wirkung bei akzeptablen Nebenwirkungen gezeigt, so hätten sie die Kriterien der naturwissenschaftlichen Medizin erfüllt. Sie wären damit in den Kreis der Medikamente mit erwiesener Wirksamkeit – in die Maßnahmen-Palette der Schulmedizin – aufgenommen worden.

Daher bitte Finger weg von unwirksamen oder nie seriös geprüften alternativen Therapien!

Komplementärmedizin

Unter Komplementärmedizin verstehen wir Methoden, die nicht den Anspruch auf Tumorwirksamkeit erheben, aber nachweislich zu einer Verbesserung des Wohlbefindens und/oder zur Linderung von Beschwerden führen können.

Hier die am häufigsten genutzten Verfahren:

  • Akupunktur
  • Tai Chi
  • Yoga
  • Meditation
  • Hypnotherapie
  • Therapeutic Touch, Reiki
  • Körperliche Aktivität
  • Neuraltherapie
  • (Reflexzonen-)Massage

Was kann mir helfen?

Was empfiehlt sich nun für den individuellen Patienten?

Erstens muss akzeptiert werden, dass ein Teil der Betroffenen kein Bedürfnis nach komplementären Maßnahmen hat und auch ohne diese eine gute Lebensqualität aufrechterhalten kann.

Die Mehrheit der Betroffenen allerdings versucht die eine oder andere Methode. Allerdings sollte man sich nicht an den Wunsch gut meinender naher Angehöriger oder Freunde halten und sich mit etwas abmühen, das einem nicht liegt oder nicht den erwünschten Erfolg bringt. Weiters sollte einem bewusst sein, dass manche Methoden – wie z.B. Meditation, Tai Chi oder autogenes Training – kontinuierlich praktiziert werden müssen, damit ein maximaler Nutzen erzielt werden kann.

Und was kann ich sonst noch tun?

Ein so einschneidendes Lebensereignis wie die Diagnose Krebs eröffnet oft paradoxerweise die Tür zu besonders intensiven Beziehungen zu den engsten Angehörigen, führt zu einer sorgfältigeren Selektion der Lebensschwerpunkte, zu einer klaren Differenzierung zwischen Wichtigem und Unwichtigem und insgesamt zu einer höheren Lebenszufriedenheit.

Nach Diagnosestellung einer Tumorerkrankung kommt der Lebenserwartung große Bedeutung zu, wobei natürlich die Frage aufkommt, was unter den gegebenen Verhältnissen das Beste für den Betroffenen ist. Die Diagnose gibt auch Anlass zu verstärkter Selbstreflexion, wodurch wiederum Bereiche aufgedeckt werden, die einem besonders wichtig sind – Bereiche, die am meisten Freude, Sinnerfüllung und Zufriedenheit bringen. Einmal erkannt, gilt es in weiterer Folge, diesen Bereichen verstärkt nachzugehen und andere weniger geliebte oder sogar belastende Bereiche tunlichst zu vermeiden oder zu reduzieren.

Eines darf in diesem neu geschnürten Lebens-Bouquet keinesfalls fehlen: regelmäßige körperliche Aktivität. Wobei diese weit über konventionelles Spazierengehen hinausgehen sollte – wichtig ist eine echte körperliche Ertüchtigung mit Trainingscharakter. Viele Studien belegen den Nutzen konsequenten Trainings, der von verbesserter Therapietoleranz über mehr Fitness und angenehmeres Lebensgefühl mit weniger depressiven Verstimmungen bis hin zur Verlängerung der Lebenserwartung reicht.

Nutzen Sie die oben angeführten vielfältigen Möglichkeiten und optimieren Sie Ihr persönliches Lebensgefühl!

 

Univ. Prof. Dr. Heinz Ludwig

ehem. Vorstand der 1. Medizinischen Abteilung
Zentrum für Onkologie und Hämatologie
Wilhelminenspital, Wien