Akute und chronische Fatigue:

Wenn das Kranksein müde macht

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Erstellt am 06.02.2014 von Redaktion

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Müdigkeit und Erschöpfung sind häufig Nebenwirkungen von Tumorerkrankungen und Krebstherapien, die heute durch verschiedene Maßnahmen zunehmend besser behandelt werden können.

80% der Krebspatienten, die eine Chemo- und/oder Strahlentherapie erhalten, und so gut wie alle Palliativpatienten klagen darüber: Sie fühlen sich schwach und erschöpft, körperlich und geistig müde, energielos.

Diese Beschwerden haben einen Namen: „Fatigue“ nennt man die angeführten Symptome, die mit einer malignen Tumorerkrankung, aber eben auch mit den oft belastenden Krebstherapien einhergehen können.

Akute und chronische Fatigue

„Tumorbedingte Fatigue ist ein unüber- windlich anhaltendes, ganzkörperliches Gefühl der physischen und psychischen Erschöpfung, das ohne entsprechende, un- mittelbar vorausgegangene Belastung be- steht und sich durch Schlaf nicht bessern lässt“, so definiert OA DDr. Johann Klocker, Internist am Klinikum Klagenfurt, das Fatigue-Syndrom. Wobei – so Klocker – zwischen akuter und chronischer Fatigue zu unterscheiden ist. Während die akute Fatigue einen Erschöpfungszustand darstellt, der unmittelbar im Zusammenhang mit der Diagnose und/oder Therapie eintritt, kann eine chronische Fatigue noch Monate oder sogar Jahre nach der Erkrankung fortdauern und oft überhaupt erst nach Abschluss der Therapie erstmalig auftreten.

Ursachen einer Fatigue

Akute Fatigue kann sowohl durch die Krebserkrankung selbst als auch durch die Tumortherapie verursacht werden. Beides – Erkrankung wie Therapie – sind eine extreme Belastung für Körper und Seele, sodass leicht ein Fatigue-Syndrom entstehen kann.

Speziell Chemo- und Strahlentherapien können erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen – wie z.B. Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall, eine Schwächung des Immunsystems oder auch eine Hem- mung der Blutbildung, die eine erhöhte Blutungsgefahr (Mangel an Thrombozyten) wie auch eine Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen) zur Folge haben kann. Wobei insbesondere die Anämie als eine ganz wesentliche Ursache der Fatigue gilt. Denn die roten Blutkörperchen sind bekanntlich für die Sauerstoffversorgung des Körpers zuständig, die bei der Anämie demnach reduziert ist, was zu einem deutlichen Abbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit führt.

Im Vergleich zur akuten Fatigue proble- matischer zu diagnostizieren ist die soge- nannte chronische Fatigue. Dazu OA DDr. Klocker: „Bei der Langzeitfatigue handelt es sich um ein multifaktorielles Geschehen. Hier spielen psychosoziale Ursachen wie Krankheitsbewältigung, Überforderung, Angst vor einem Rezidiv sowie Depression als Nachwirkung der Psychotraumatisierung durch die Dia- gnose und Therapie eine Rolle. Zusätzlich können eine periphere Polyneuropathie, die von bestimmten chemotherapeuti- schen Behandlungen hervorgerufen wird, und auch andere Langzeitnebenwirkungen eine chronische Fatigue begünstigen.“

Therapie des Fatigue-Syndroms

In diesem Zusammenhang spielen ver- schiedene medikamentöse Therapien eine Rolle, um tumor- oder therapiebedingten Symptomen entgegenzuwirken (wie z.B. Schmerztherapie, Behandlung der chemotherapie-assoziierten Übelkeit, Thera- pie von Infektionen, Behandlung von Stoffwechselstörungen, Therapie der Anämie). Auch Psychopharmaka – insbesondere zur Behandlung von Depressionen – gelangen zur Anwendung. Hilfreich sind auch psychotherapeutische Maßnahmen und psychoonkologische Beratung sowie Schulungen z.B. in Schlafhygiene (richtig er- holsam Schlafen), Entspannungstechni- ken, Aktivitätsmanagement und gesunder Ernährung. Von großer Wichtigkeit ist zudem eine umfassende Bewegungstherapie kombiniert mit gezielten physiothera- peutischen Behandlungen bzw. Übungen.

„Diese Maßnahmen können – vor allem bei chronischer Fatigue – in einem an die Tumortherapie anschließenden Rehabilitationsverfahren gebündelt angeboten werden“, meint DDr. Klocker. Ein wichtiger Aufgabenbereich also für die onkologische Nachsorge, in deren Rahmen mehreren Rehab-Wochen in darauf spezialisierten Einrichtungen – analog etwa zu Herzkrankheiten oder or- thopädischen Operationen – auch auf dem Gebiet der Krebserkrankungen eine wachsende Bedeutung zukommt.

Wie der Betroffene selbst die Therapie unterstützen kann:

  • Den Tagesablauf bewusst gestalten! Schon abends überlegen, was am nächsten Tag zu erledigen ist – gute Planung schützt vor Überforderung!
  • Prioritäten setzen – welche Dinge sind wirklich wichtig? Welche müssen nicht unbedingt erledigt werden?
  • Die Kraft einteilen – auf eine anstrengende Tätigkeit eine leichtere folgen lassen; Akti- vitäten für jene Tageszeiten planen, in denen man sich am leistungsfähigsten fühlt.
  • Tätigkeiten kräfteschonend gestalten – z.B. im Sitzen bügeln.
  • Den schönen Dingen des Lebens, die Körper und Seele wohl tun, Zeit und Raum im Alltag geben!
  • Auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung achten!
  • Über Probleme reden, um Lösungen im Gespräch mit nahestehenden Menschen zu finden.
  • Sich auch tagsüber Ruhepausen gönnen; diese gezielt einplanen und dem Umfeld klar machen, dass man in dieser Zeit nicht gestört werden möchte.
  • Regelmäßig körperliche Aktivitäten setzen – leicht beginnen und dann Intensität und Dauer langsam steigern (Ziel: 3 x pro Woche 30 Minuten z.B. schnelles Gehen, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen, Joggen).
  • Für angenehmen und entspannenden Schlaf sorgen (gutes Bett/gute Matratze; Frischluft im Schlafzimmer; zu regelmä- ßigen Zeiten zu Bett gehen und ausreichend lang schlafen).